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Treysa


Rathaus von Treysa um 1963

 

TREYSA liegt zwischen Kassel und Marburg. Im Rahmen einer Zusammenlegung mit dem Nachbarort Ziegenhain und weiteren kleinen Orten entstand daraus SCHWALMSTADT.

Um mehr faktische Details zu erhalten, bitte ich Sie im Interner unter:
http: http://de.wikipedia.org/wiki/Schwalmstadt nachzulesen.

Ich möchte mit dieser kleinen Erzählung ganz subjektiv bleiben und so berichten, was Treysa für uns Kinder war.

Wenn wir unser monatliches Taschengeld in Höhe von 50 Pfennig bekamen, waren wir immer ganz aus dem Häuschen. 
Um nun dafür etwas kaufen zu können, marschierten wir geschlossen in Zweierreihe nach unten durch Franz-von-Roques-Straße, vorbei an der Turnhalle über die Sachsenhäuser Straße Richtung Café Rabe. Einige von und kauften schon dort Ihre Ahoj-Brause für 5 Pfennig pro Tüte – siehe auch http://www.frigeo.de/ 

Würde man heute versuchen, mit einer Gruppe diese Straße an selber Stelle zu überqueren, käme das einem russisch Roulett gleich.

Unten angekommen, ging es über die Kreuzung. Rechts ging es über die Brücke und das erste Haus war Caf
é Klingelhöfer. Hinter den großen Fenstern saßen die freihabenden Erzieher bei Kaffee und Kuchen. Mein Gott, was haben wir die beneidet,
denn die Pellkartoffeln mit Quark und Schnittlauch hingen uns zum Hals raus. Wir sagten dann immer: Mal wieder "Rottmanns (Leiter der Zentralküche) grüne Woche". 
Die Kartoffeln haben wir mit Pelle gegessen – und überlebt!

In der lang gestreckten Rechtskurve war die Bahnhofstraße - Unsere „Einkaufsmeile“.
Zuerst wurde das SCHWALMKAUFHAUS aufgesucht. Schließlich war es 
das "kleine" Karstadt von Treysa.

Im Laden für Haushaltswaren KEIM holten wir unsere Nägel (die wurden wie Käse oder Wurst nach Gewicht verkauft) und unsere Hämmer für das Indianerdorf hinter dem Falkhaus. Das Idealgewicht des Hammers war 300 Gramm.

Gegenüber vom Schwalmkaufhaus war der kleine Fotoladen PREUSS. Dort wurden u.a. alle Neuzugänge Hephatas abgelichtet. Als ich 12 Jahre war, lies ich von mir Passbilder anfertigen. Vier Bilder gleich vier Mark – mein ganzes Taschengeld für diesen Monat. So reihte sich Geschäft an Geschäft bis oben zur Mainzer Brücke. 

Für uns Kinder aus Hephata war Treysa eine große Stadt nur wegen eines fehlenden Freibades wanderten wir im Sommer nach Ziegenhain. 

Oft trat im Frühjahr die Schwalm über die Ufer. Dann konnten wir „Falkhäusler“ von oben beobachten, wie Teile von Treysa überschwemmt wurden. 

Treysa war für uns schon recht groß und konnte nur durch Marburg übertroffen werden. Aber Marburg war ja ganz weit weg – ca. 40 Kilometer. Für Kinder, die ausschließlich alles zu Fuß erledigten, ist das eine riesige Entfernung.

Als ich Jahrzehnte später zum ersten Mal wieder nach Treysa kam, war ich innerlich sehr berührt. Alles ist so klein und die Bahnhofstraße - sie ist viel kürzer als in meiner Erinnerung - ist mit Autos regelrecht zugeparkt. 

Nun sitze ICH im Caf
é Klingelhöfer und genieße Kaffee und Kuchen - einfach lecker.

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