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Schule

Unsere Schule hieß damals tatsächlich:
Heim-Sonderschule
Treysa, Bez. Kassel
Anstalten Hephata


Mein schulischer Werdegang im Lebenslauf der Bewerbungen
begann mit dieser Angabe und sorgte dafür,
dass diese genauso schnell zurück kamen,
wie ich sie verschickt hatte.

Heute heißt diese Schule
Ludwig-Braun-Schule
Hessisches Diakoniezentrum Hephata e.V.
Franz-von-Roques-Straße 24
34613 Schwalmstadt


Erst als diese Schule umbenannt wurde, konnte ich diesen Punkt 
in meinem Lebenslauf ändern. Somit hatte ich nun eine reelle Chance,
eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch zu bekommen,
aber da war dann noch meine körperliche Behinderung,
um mich doch nicht einzustellen.

Meine Leistungen als Schüler waren "non rite" - nicht genügend.
Also - dort war ich genau richtig. 
Die erste Klasse war für Praktisch Bildbare. 
Wir sagten dazu - Klötzgenschule.

Meine Lehrer protokollierten:

Im Ansatz stecken geblieben ... a b e r ... der gute Wille war erkennbar.

Immerhin: in Religionslehre hatte ich mal ein "sehr gut" - wirklich.


Links neben der Schule war die Schmiede. Vor dem Haus wurden die Pferde
(Kaltblüter) des Gutshofes beschlagen. Wenn die glühenden Hufeisen angepasst
wurden, waberten die Dämpfe von verbranntem Horn über den Schulhof und bis in
die Klassenräume.

Gegenüber vom Schulhof war die Schlachterei. 
In dem kleinen eingezäunten Vorhof waren am Schlachttag drei bis vier Schweine aus eigener Zucht vom Gutshof 
und warteten darauf, dass die beiden sehr großen, grauen Flügeltüren aufgingen und
sie von der Schlachtcrew an Schwanz und Ohren reingezerrt wurden, wobei die Tiere
schrien, als ginge es um ihr Leben. Das Quicken ging uns durch Mark und Bein.
Die Türen schlossen sich. Dann hörten wir das laute Knallen der Bolzenschussgeräte
- verdammt, die Pause ist zu Ende.

Rechts neben der Schule war das Lehrlingsheim Pniel. Wir waren in heller Aufregung,
als in und vor Pniel auf dem Schulhof 1968 der sozialkritische Film
"Weg vom Fenster" gedreht wurde. Vor dem Haus lag ein richtiges kleines Gleis, auf
dem die Kamera lang fuhr. Wir waren erstaunt, dass am helllichten Tag Scheinwerfer
eingesetzt wurden und das bei Sonne auf dem Schulhof. Später wurden wir sogar Komparsen
in der Turnhalle in der Franz-von-Roques-Straße, als es galt, aufmüpfig und prügelnd durch
eine Tür in die Halle zu gelangen und den Redner am Pult zu übertönen.

Heute bin ich gelernter:
Stahlbauschlosser - mit Abschluss
Bürokaufmann - ohne Abschluss aber komplette Ausbildung
Elektrogerätemechaniker - mit Abschluss

Es scheint, dass aus mir doch etwas geworden ist.
Dabei war ich doch schulisch ein Fall zum Kopfschütteln.

Thomas Hasper

 

 

 

 

 

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