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Meine Meinung

 

 

 MEINE Persönliche Meinung



VORWORT!

In diesem Teil meiner Homepage möchte ich meine damaligen Erlebnisse und Beobachtungen mit den gegenwärtigen Erkenntnissen über das Thema „Heimerziehung seit 1945“ als persönliches Resümee veröffentlichen. Auf Grund der Tatsache, dass ich vollständig meine Kindheit und Jugend in Heimen verbrachte, sehe ich mich berechtigt, meine Meinung hinsichtlich dieser Problematik zu äußern.

Fast ein Vierteljahrhundert verbrachte ich mein Leben in diversen Einrichtungen. Seit meiner Geburt war ich in Obhut dieser Menschen und durch massive medikamentöse „Justage“ von Anfang an perfekt assimiliert.
Dadurch nahm ich gewissermaßen eine Beobachterrolle ein.
Die damals gemachten Beobachtungen und jetzige Recherche lassen nur einen Schluss zu. Wer so lange wie ich im Heim gelebt hat, darf auch seine ganz persönliche Sichtweise veröffentlichen.

Es ist mir jedoch sehr wichtig, den Beitrag nicht reißerisch und verzerrend darzustellen, sondern mit etwas chronologischer Logik die Fakten zu beleuchten, Fragen aufzuwerfen und somit meinen Beitrag zur allgemeinen Diskussion beizusteuern.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



 

 

 

Meine Meinung zu den damaligen Verhältnissen

 

Ich berufe mich hierbei ausdrücklich auf Artikel 5 unseres Grundgesetzes von 1949
und auf Artikel 10 der Europäische Menschenrechtskonvention von 1953

 

Die Zustände in den Heimen nach 1945 waren aus heutiger Sicht katastrophal und durch nichts zu entschuldigen. Die Menschlichkeit blieb als erstes auf der Strecke. Dem vorgegebenen Tagesablauf war alles zwingend untergeordnet. Unzählige Rechtfertigungsversuche seitens der Verursacher – sprich Erzieher, Lehrer und später die Betreuer sind durch das tatsächlich Geschehene zum Scheitern verurteilt. Denn wie sich nun zeigt, waren die Verhältnisse gang und gäbe. Eine Hand wusch die andere. Was diese Leute betraf könnte man sagen, dass sie in ihrem Rahmen selbstherrlich handeln und entscheiden konnten, ohne dafür belangt zu werden. Man konnte sich auf seine Kollegen verlassen, denn er hatte sein Verhalten gleichermaßen umgesetzt. Nur so war der Wildwuchs auf allen Ebenen möglich.
Der Willkür waren Tür und Tor weit geöffnet. Diese Menschen beurteilten und verurteilten uns in ihren Berichten, Stellungnahmen und Gutachten. Hätten sie geahnt, dass es außer Radio und Fernsehen auch Mobiltelefon und Internet geben würde, wären die Inhalte ihrer Schriftstücke sehr viel differenzierter und sorgfältiger erstellt worden. Denn nun erfährt man durch heutige Medien, dass es nicht nur Misshandlungen und Missbrauch, sondern auch Korruption und Missmanagement im ganz großen Stil gab. Dies zeigt sich nun besonders auf dem Rentenkonto der ehemaligen Heimkinder, für die nichts oder extrem geringe Beiträge eingezahlt wurden. Die Heimkinder von einst werden nun im Alter von ihrer eigenen Vergangenheit eingeholt und an ihre Kindheit erinnert – Altersarmmut. Nicht nur das! Hinzu kommen psychische, berufliche und nicht selten gesellschaftliche Probleme. Was sollte ein Berufsanfänger mit ausgeprägter Heimkarriere in seinen Lebenslauf schreiben und dem Arbeitgeber im Gespräch sagen?

Wer trotz der Unbilden jener Zeit privat Erfolg hatte und beruflich recht gut integriert war, darf behaupten, dass er im Verhältnis zu den normal Erzogenen sehr viel mehr Glück oder den stärkeren Willen zum Erfolg nicht verloren hatte. Man musste sich durchschlagen, das hatte man ja schließlich gelernt. Wer es trotzdem nicht begriffen hatte, ging unweigerlich unter. Verwahrlosung, Alkoholismus, Drogen, Therapien und nicht zuletzt Gefängnis bis hin zum Selbstmord waren die Folge. Der Runde Tisch Heimerziehung war eine logische Konsequenz und längst überfällig.

 

 

Deutschland

 

lag 1945 zum großen Teil in Trümmern. Für den Wiederaufbau wurde jede Hand gebraucht. Gerade an gut ausgebildeten Männern mangelte es, diese waren zu Millionen im zweiten Weltkrieg gefallen. Übrig blieben unzählige Kinder und Jugendliche, die zum großen Teil Vater, Mutter und Geschwister durch Bombenangriffe der Alliierten verloren hatten und ohne Orientierung und Perspektiven versuchten, zu überleben. Es handelte sich hierbei um die Generation aus der Blütezeit des Nationalsozialismus. Man hatte ihnen gelehrt, dass sie eine Herrenrasse seien, allen anderen Rassen und Völkern genetisch und kulturell weit überlegen. Nun waren diese jungen Menschen völlig desillusioniert und vor allem an Geist und Seele gebrochen. All ihre Ideale, Werte und vor allem ihre Heimat waren zerbombt und lagen in Schutt und Asche.

 

Ein vierteiliger Dokumentarfilm im Januar 2011 auf 3sat veranschaulicht die damaligen Verhältnisse. Diese Dokumentation habe ich per PC auf einer DVD aufgezeichnet.

In dieser Brückenzeit waren überwiegend nur die ganz alten und sehr jungen Männer übrig geblieben, die eigentlich in der Aufbauphase mitarbeiten sollten. Aufgrund dieses Mangels an männlichen Arbeitnehmern waren überwiegend Heerscharen von Trümmerfrauen an der Instandsetzung beteiligt. Aber es waren zu wenige von ihnen und vor allem waren sie fast gar nicht in handwerklichen Bereichen wie Stein, Holz, Metall und Elektrotechnik ausgebildet, so dass man Arbeitnehmer aus dem Europäischen Ausland anwarb.

 Genau in dieser Zeit brachen viele junge deutsche Männer ihre gut bezahlte handwerkliche Lehre oder Tätigkeit ab und meldeten sich in den staatlichen beziehungsweise kirchlichen Einrichtungen, um als Erzieher mit und ohne Ausbildung einer deutlich schlechter bezahlten Beschäftigung nachzugehen. Man könnte auch sagen, dass viele von ihnen „Handwerksflüchtlinge“ waren, die den gewaltigen Aufgaben und dem damit verbundenen Druck auf Dauer nicht gewachsen waren. Damit das nicht offensichtlich wurde, nannte man diese berufliche Umorientierung „Zweiter Bildungsweg“. Das war in den ersten Jahrzehnten nach dem Krieg ein feststehender Begriff und in aller Munde.

Sie glaubten nun, dass sie als Mitarbeiter in den Heimen dem physischen und psychischen Druck einer Baustelle entgehen können und eine Erzieherschule nur reine Kopfsache sei. Das Handwerkliche war ihnen schon durch die vorherigen Art der Arbeit bekannt – zupacken! Es sind doch nur Kinder!

Die nun zuvor erfolgte „pädagogische Ausbildung“ war aber nach heutigen Maßstäben eher auf dem Niveau eines Crashkurses und in keiner Weise mit heutigen Standards zu vergleichen. Diese zweite Berufswahl war gepaart mit ihrer eigenen pädagogischen Altlast von vor 1945. Nur so waren die geistigen, seelischen und körperlichen Verletzungen der nach 1945 geborenen Kinder erklärbar. Man könnte auch von einem so genannten „psychologischen und pädagogischen Generationenkonflikt“ sprechen. Die selbst spürbar erfahrene und später erlernte Pädagogik waren folgerichtig zwei völlig unterschiedliche Richtungen, die zu schwersten emotionalen Spannungen in den Köpfen der Erzieher führten. Lehre und Praxis klafften weit auseinander. Körperliche und verbale Entgleisungen dieser Leute wurden so gut wie nie geahndet, weil alle Beteiligten in etwa gleichartig erzogen waren. Also waren wir die Ungnade der späten Geburt.
Wir waren aufgrund unserer familiären und persönlichen Umstände fehlerhafte Jahrgänge, die nicht den Wertvorstellungen und Normen der Jungschar und Hitlerjugend ihrer Zeit entsprachen. Kurz gesagt: Wir hatten Mängel und waren nur sehr bedingt wertige oder gar unwerte Nachkommen.
Die Euthanasie (auch bekannt unter
Aktion T4) war in den 40er Jahren eine Maßnahme, um dieser Problematik entschieden zu begegnen. Über 80.000 Menschen fielen dieser Art einer Lösung zum Opfer. Ich bin mir durchaus bewusst, dass ich als Behinderter diese Zeit nicht überlebt hätte!

Dabei sollte es schon und gerade ab 1945 das erklärte Ziel sein, Kinder aus problematischen Familien zu holen und sie fachlich geschult und kompetent zu erziehen. Für diese Aufgabe waren diese Menschen jedoch meistens selbst schlicht nicht in der Lage und daher völlig überfordert und somit letztlich nicht die Richtigen. Fehlendes Wissen und Einfühlungsvermögen wurden praktisch mit den Händen kompensiert – ihr ganz persönliches Verständnis von Konfliktmanagement. Misshandlungen und nicht zuletzt Missbrauch gehör(t)en zum Alltag. Noch heute erfährt man immer wieder von Übergriffen seitens des Personals in sozialen
Einrichtungen – nicht nur in Deutschland.

 

 

Ein Beispiel von damals:

Wenn zwei Jungen am Boden lagen und sich prügelten, griff der Erzieher den beiden Kontrahenten energisch in die Haare, zog sie nach oben und schlug ihre Köpfe zusammen. Anschließend griff er ihnen an die Ohren, drehte diese wie Korkenzieher und zog in Richtung Zimmerdecke, bis sie auf den Zehenspitzen standen.

Über gesundheitliche Konsequenzen für die Kinder machten sie sich keine Gedanken. Es galt, die Situation schnell und nachhaltig zu entschärfen. Der Anlass einer solchen Auseinandersetzung war nicht Gegenstand. Dass die körperliche Unversehrtheit der Kinder gefährdet wurde, war in solchen Momenten zweitrangig. Wenn einer am Ohr blutete, hatte er selber Schuld. Man hätte sich eben nicht prügeln sollen – selbstgemachte Leiden. So – und jetzt ins Bad und wascht euch. Anschließend meldet ihr euch bei mir.

Ich frage mich noch heute, wer den Erziehern das beigebracht hat? Die Erzieherschule? Mit Sicherheit nicht. Ein derartiges Vorgehen möchte ich hier explizit als „braune Pädagogik“ bezeichnen.

Die körperlichen und emotionalen Eskalation der Erzieher waren aber auch erst dadurch möglich, weil Jugendämter, Polizei und Gerichte die Vorkommnisse in kollektiver Passivität nicht wahr haben wollten, verharmlosten oder erst gar nicht erkannten. Denn diese Leute hatten ja selber ihre Kindheit und Jugend in der Weimarer Republik und im Dritten Reich erlebt. Daher war ihr Verständnis für eine humane Erziehung völlig anders geprägt, als es die Lehre und Praxis nach 1945 vorgab und vorschrieb.

Diese rigiden Entgleisungen gehörten einfach zu ihrer eigenen Erziehung dazu und waren für diese Menschen und deren Institutionen daher völlig normal. Man kann hier auch von dem Generationen übergreifenden Kausalitätsprinzip sprechen – Ursache und Wirkung.

Viele Zitate aus den letzten Jahrhunderten untermauern und verdeutlichen diese Verstöße. Da ist die Rede von „einer starken Hand“, an die Kandare nehmen, mal ordentlich den Hosenboden versohlen, ordentlich eins hinter die Ohren geben, die Ohren lang ziehen, die Hammelbeine langziehen, die Knute griffbereit halten und nicht zuletzt galt es, immer die Zügel straff zu halten. Es galten Zucht, Ordnung und Disziplin. Rohrstock, Gürtel und Schuhe waren die probaten Mittel zum Zweck. Das Wort „Schmerz“ war in all seinen Arten Grundlage im Rahmen dieser Pädagogik. Schon eine ausgesprochene Drohung signalisierte Schmerz. „Ihr hört jetzt was ich sage oder es setzt was“

Freie Entfaltung der Kinder bedeutete Anarchie, Chaos und somit unweigerlich Eskalation. Dem musste von Anfang an durch klare Ansprache entschieden begegnet werden, was man darunter auch immer verstehen mag.

 Im Interview eines dreiteiligen WDR Dokumentarfilms mit und über ehemalige Heimkinder sagte ein damaliger Erzieher:
„Wir mussten die Kinder erst brechen, bevor wir sie aufbauen konnten!“

Ich frage mich im Nachhinein, was man an einem Kind brechen will, dass schon mit schwersten seelischen Verwerfungen eingeliefert wird? Was verstanden diese Leute unter „brechen“? Wie und womit taten sie es? Zum Beispiel durch Schläge, Demütigung vor der versammelten Mannschaft, Isolation vom Rest der Gruppe bis zur Einzelhaft, Entzug von Nahrung, Ausgangverbot, Taschengeldsperre, pharmazeutische Mittel bis zur Injektion und Fixierung im Bett, auf dem Stuhl oder am Heizkörper ect.?!

Dem Verlust des Elternhauses folgte eine (un)beabsichtigte systematische Zermürbungstaktik durch für Kinder völlig fremde Personen an unbekannten Orten irgendwo in Deutschland (Verbringung). Viele weinten nachts im Bett und flüchteten in ihrer Fantasie in Traumwelten. Sie wurden nicht selten sehr verschüchtert oder sehr aggressiv und unweigerlich verhaltensauffällig, was auch in den Berichten protokolliert und zur Akte gegeben wurde. Die Folge war nicht selten eine massive zwanghafte Medikation zur teilweisen oder vollständigen Ruhigstellung, die mit einem Höchstmaß an Selbstverständnis einher ging. Es galt, die Renitenten schnell und vor allem dauerhaft und nachhaltig ruhig zu stellen. Wenn sie es für erforderlich hielten, wurde die Spedierung intravenös verabreicht und somit unter schwerster Verletzung des ersten Artikels unseres Grundgesetzes erzwungen.
Ein vierteljährliches Blutbild hätte diese massive Rechtsverletzung untermauert.

Wie war es mit den Babys, die wie ich gleich dem Heim überstellt wurden? Eigentlich der absolute Ausnahmezustand für den Staat als Gesetz- und Geldgeber und den Frauen, die nicht nur ein oder zwei Kinder um sich hatten.
Die Säuglingsschwestern versorgten bis zu zehn oder mehr Babys auf unterstem Niveau. Es galt die Regel „Satt und sauber“. Mehr Zuwendung ging nicht. Dabei war diese Minimalversorgung von Säuglingen und Kleinkindern bereits wenige Jahre zuvor im Dritten Reich schon einmal praktiziert worden. Es wurde später unter dem Namen „Lebensborn“ bekannt, obwohl es streng geheim war. Es sollten arische Kinder von reinem Blut sein. Zäh wie Leder, flink wie Windhunde und hart wie Kruppstahl.
Wir jedoch waren alles andere als das. Unsere Eltern waren nicht in der Lage, uns auch nur eines dieser Merkmale beizubringen, obwohl man alle drei von ihnen erwartet hatte. Da sah sich nun der junge neue Staat in der Pflicht und intervenierte auf bewährte Art. Er war Legislative und die Kirche(n) fungierten dankend als Exekutive. Wie sich nun herausstellte, eine verheerende Symbiose.
Der Staat selbst war als Mitbetreiber seiner eigenen Einrichtungen auch nicht besser.

Unser unübersehbares Stigma war auch unsere Bekleidung (s. Bild oben und unten). Es war für alle Menschen außerhalb der Einrichtungen gut zu erkennen, dass wir nicht zu ihnen gehörten. Man könnte auch sagen: Was dem Strafgefangenen seine Anstaltskleidung, war bei uns die Spendenkleidung. Wir trugen diese Kleidung, obwohl die Jugendämter für jedes Kind turnusgemäß Gelder an die Einrichtungen überwiesen.
Wie war es mit der „angemeldeten“ Kontrolle? Keine besonderen Vorkommnisse! Unendlich viele Fotos und Filme im Internet, Zeitungen und Fernsehnachrichten zeugen davon.

Ich selbst kann mich nur an eine Einkleidung kurz vor meiner Konfirmation erinnern. Zu diesem Zeitpunkt war ich 16 Jahre alt. Um Geld zu sparen, bekam ich nur Oberbekleidung, denn Unterwäsche war ja nicht zu sehen und schon in der Kleiderkammer vorhanden. Besonders schlimm waren unsere Nyltesthemden. Kurz durchs Wasser gezogen und in den Wind gehängt, waren sie im Nu wieder trocken. Wenn man sie anzog, stank man in kürzester Zeit nach Schweiß. Aber sie waren besonders unempfindlich und günstig.

Auch Heimkinder machen selbstverständlich biologische und psychologische Phasen durch. Genannt seien hier unter anderem der Stimmbruch und die Pubertät. Das zweite war extrem Konfliktbeladen, denn die Sexualität existierte praktisch nicht. Aufklärung? Gott bewahre! Diese Zeit eines Jugendlichen im Heim war besonders schwierig, weil er es nicht nur mit dem Erzieher zu tun hatte, sondern mit einer ganzen Gruppe von etwa Gleichaltrigen, der nun naturbedingte Widerspruch wurde als Frontalangriff auf die Autorität und Integrität des Erziehers gewertet. Schwerste Konflikte waren vorprogrammiert. Viele verkrafteten diese Spannungen nicht und rissen aus. Das hatte zur Folge, dass sie eine Fahndung und Ahndung auslösten. Schwerste Strafen folgten nach der Ergreifung und Überstellung. Kirchliche Einrichtungen waren garantiert nicht humaner als staatliche.

Gott, Jesus und so? Jawohl – und zwar jeden Tag zwingend für alle Kinder und Jugendlichen gerade in Hephata. Diese Art der Missionierung war dazu angetan, später dieses Thema aus seinem Leben zu verbannen. In den morgendlichen Andachten wurde genau das gepredigt, was wir gern selbst erfahren hätten. Da war die Rede von Liebe, Sanftmut, zuschauen, hinhören, sich Zeit nehmen für die Sorgen und Ängste jedes Einzelnen, für ihn da sein und nicht zuletzt zu verzeihen und vieles mehr. Fehlanzeige. Kalt, rau und berechnend war unser Alltag. Der Rhythmus aller festgelegten Abläufe bestimmte, wer was wann wie und wo zu tun hatte. Es galt, unter allen Umständen den Tagesablauf akribisch genau einzuhalten. Da hatten die Inhalte der morgendlichen Andachten keinen Platz. Wenn man eines der Punkte ansprach, erntete man Kopfschütteln und Lachen. Soviel zur Umsetzung der Inhalte von Predigten.

 

Auch Nachzulesen in:
Gefesselte Jugend im Kapitalismus  (edition suhrkamp   Ausgabe 1 von 1972)

Diese Personen nannte man „pauschal“ Pädagogen, obwohl nur 14% von ihnen eine derartige Ausbildung vorweisen konnten. Damals waren in Westdeutschland über 100.000 Personen in der erzieherischen und betreuenden Stellung tätig, ohne, dass bei ihnen ein Rahmen an Würde und Respekt gegenüber dem Schutzbefohlenen erkennbar war. Das Fehlen an Fachkenntnis wurde sehr oft durch emotionale Kälte kompensiert.
Die Folgen waren nicht nur für den Einzelnen, sondern oft auch für die ganze Gruppe von entscheidender Bedeutung. Heute würde jeder Ausbilder in einer Erzieherschule die Hände über den Kopf zusammenschlagen und STOPP rufen. Ich denke, dass damalige Erzieher heute keine Chance mehr in den Heimen hätten und nicht selten mit dem Gesetz in Konflikt kämen. Denn ihre
Rigidität bildete die Grundlage ihres Denkens und Handelns. Eine wirkliche Ausbildung zum Pädagogen umfasst nicht nur die Psychologie und Psychiatrie, sondern auch Themen wie Konfliktmanagement in angespannten Situationen. Verbal konnten diese Leute so gut wie nichts ausrichten. Real wurde deshalb „dreingeschlagen“. Das ist schnell, effektiv und nachhaltig. Außerdem konnte man seine Stellung als Alphawolf festigen und behielt die Oberhand. Das Gesetz des Stärkeren galt und wirkte.

Die psychologischen und vor allem seelischen Folgen werden erst viele Jahre später überdeutlich sichtbar. Während man körperlich unversehrt scheint, ist man innerlich teilweise oder vollständig deformiert. Das ehemalige Heimkind wurde meistens zu einem „Seelenkrüppel“ erzogen.
Ein derartiger Mensch ist nur bedingt oder gar nicht in der Lage, bestimmte emotionale Signale zu senden oder zu empfangen und folgerichtig zu interpretieren und zu entsprechend erwidern. In diesem Fall spricht man nicht von einem genetischen, sondern anerzogenen „Asperger Syndrom“.

http://de.wikipedia.org/wiki/Asperger-Syndrom

Viele extrem gestörte Persönlichkeiten der Weltgeschichte waren auf Grund ihrer mangelhaften Erziehung Seelenkrüppel. Genannt sei hier beispielhaft aus der der NS-Zeit Adolf Hitler, Adolf Eichmann, Josef Mengele, Roland Freisler.
Das Thema der seelischen Deformierung wird sehr anschaulich in dem Buch „
Die Seelenkrüppel“ von Rainer Daus beschrieben.

Alle Menschen, die diese Zeit persönlich miterlebt haben, sind garantiert Zeugen und Erben dieser Epoche. Daher halte ich es für nahezu unmöglich, dass diese Menschen frei und unbelastet an ihrer Aufgabe ehrliche Freude empfanden. Meiner Meinung nach war es für sie ein Job, in dem sie ihre zuvor indoktrinierten Vorstellungen von Erziehung umsetzen konnten. Hierbei kann nicht geleugnet werden, dass die Denkstruktur der dreißiger und vierziger Jahre allgegenwärtig war.

Niemand hätte sich damals auch nur im Entferntesten vorstellen können,
dass sich die Heimkinder von einst erheben und Wiedergutmachung fordern.
Angesichts der geschilderten Ereignisse halte ich die Forderungen in vollem Umfang für gerechtfertigt und die beschlossene Summe vor allem als viel zu niedrig. Dem Betrag von 120 Millionen Euro steht eine durch die Heimkinder erwirtschaftete Summe im zweistelligen Milliardenbereich gegenüber, für die keine oder nur sehr geringe Rentenbeiträge abgeführt wurden

Das finanzielle Angebot zur Wiedergutmachung kann meiner Meinung nach nur als Schuldanerkenntnis mit Symbolcharakter gesehen werden. Bei ca. 800.000 betroffenen Heimkindern von damals nimmt sich die beschlossene Summe doch recht schmal aus und ist daher nur als Anschubfinanzierung zu werten. Ich gehe davon aus, dass die Bundesregierung noch nachbessern muss und wird, denn der Europäische Gerichtshof könnte sonst die Summe letztlich in einer Höhe festlegen, die für Berlin sehr viel drastischer und schmerzhafter ausfallen wird als es das Kabinett beschlossen hat.

 

Das ist meine Meinung – Thomas Hasper          (Bremen im Januar 2011)

 

 


 

Vorauseilender Widerspruch!  (könnte seitens des damaligen Personals sein)

"Welch bösartige Unterstellungen. Der Inhalt dieses Textes ist ehrverletzend, pamphletisch und daher völlig haltlos. Wir haben damals unser Bestes gegeben. Wir sind zwar die Jahrgänge von vor 1945, aber wir hatten mit den politischen Verhältnissen nichts zu tun. Die Filme, Fotos und Schriften aus jener Zeit sind Trugbilder und verunglimpfen unsere Generation. Sie stellen uns unter Generalschuld und verallgemeinern die damaligen Verhältnisse. Wir haben die Erlebnisse und Erfahrungen unserer Kindheit grundsolide verarbeitet und haben keine psychischen Probleme davon getragen. Im Gegenteil.
Wir sind gestärkt und motiviert an unsere Aufgaben gegangen, weil wir es besser machen wollten, als unsere Eltern und Lehrer aus jenen Jahren".

 

Wer`s glaubt, wird selig und wer`s nicht glaubt lebt glaubhafter!

 

 

PÄDAGOGIK !?        (Auf dem Zweiten Bildungsweg)

Der Begriff Pädagoge leitet sich aus dem altgriechischen Wort ho paidagogós ab und bezeichnete ursprünglich den Sklaven, der die Schüler zu ihren Lehrern begleitete.

Nicht selten wurden gelehrte Sklaven auch mit der übrigen Erziehung und Bildung betraut.

Näheres unter: http://de.wikipedia.org/wiki/P%C3%A4dagoge

Im übertragenen Sinn könnte man sagen, dass Menschen mit fehlendem Einfühlungsvermögen ihnen anvertraute Kinder oft deswegen so behandelten, weil sie selbst ihre eigene Kindheit in der so genannten „Braunen Zeit“ unter einer sehr rigiden* Führung erlebten. Zurückhaltend ausgedrückt.

 


 

Einige erhältliche Bücher über das Thema „Kindheit und Jugend im Dritten Reich“

 

Autorin: Johanna Haarer
Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind
Mutter, erzähl' von Adolf Hitler

 

 Autorin: Erika Mann
Zehn Millionen Kinder: Die Erziehung der Jugend im Dritten Reich

Autor: Harald Scholtz
Erziehung und Unterricht unterm Hakenkreuz

 

Autor: Arno Klönne
Jugend im Dritten Reich: Die Hitlerjugend und ihre Gegner

 

Autorin: Susan Campbell Bartoletti
Jugend im Nationalsozialismus: Zwischen Faszination und Widerstand

 

Autor: Guido Knopp
Hitlers Kinder

 

Autor: Max von der Grün
Wie war das eigentlich? Kindheit und Jugend im Dritten Reich

 

Autor: Hans Peter Richter
Wir waren dabei

 

 

 

 

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